Die Kombination aus Vakuum-Greifersystem und Vakuum-Hebegerät hat sich als einfache und zuverlässige Handhabungseinheit in vielen Produktions-, Lager-, Kommissionier- und Distributionsbereichen durchgesetzt. Als Marktführer bietet der Vakuum-Spezialist J. Schmalz GmbH, 72293 Glatten, heute eine breite Palette an Vakuum-Schlauchhebern und Vakuum-Hebegeräten sowie Vakuum-Greifersystemen, so dass jeweils kundenspezifische, individuelle Materialfluss-Lösungen weitgehend aus dem Baukastensystem realisiert werden können. So weit, so gut, doch selbst die flexibelsten Vakuum-Greifersysteme geraten an ihre Grenzen, wenn die Oberfläche des zu handhabenden Produktes nicht die idealen Voraussetzungen für das Handling per Vakuum mit sich bringt.
Auch automatisierte Handlinggeräte haben so ihre Probleme mit dem Handhaben labiler und instabiler Güter, zum Beispiel weil sich die Teileformen verändern und ein sicherer Transport nicht gewährleistet werden kann. So geschehen bei der Firma HERMA GmbH in Filderstadt, einem der größten Produzenten und Distributoren von Geräten und Produkten für die Kennzeichnung und Etikettierung von Gütern und Verpackungen aller Art. Im neu erstellten Logistikzentrum werden bis zu 40 kg wiegende Kartons mittels Roboter gepackt und gehandhabt, beispielsweise von einer Rollenbahn auf eine Palette, wo sie anschließend gestapelt werden. Pro Stunde gehen auf diese Art und Weise etwa 1.200 Pakete in die weite Welt, und diese Masse ist nur mit einem vergleichsweise hohen Automatisierungsgrad wirtschaftlich darzustellen.
Was aber, wenn ein Paket sich partout nicht automatisch handhaben und palettieren lässt? Dann stockt die jeweilige Packlinie und es müssen zuerst die Störungen behoben bzw. die nicht automatisch zu handhabenden Pakete wieder manuell entfernt werden. Damit dies nicht geschieht, wurde für die Umsetzung von Kartons, die nicht vom Industrieroboter gehandhabt werden können, ein Vakuum-Schlauchheber mit einem neuen Multi-Greifersystem installiert. Bestehend aus einem Vakuum-Schlauchheber der Baureihe JumboErgo 45, der für Traglasten bis zu 45 kg ausgelegt ist, einem Säulenschwenkkran mit 5 m Ausleger und dem neuen Jumbo-Multigripper, können mit diesem Handlingsystem labile und instabile Kartons bis zu einem Gewicht von 40 kg sicher aufgenommen und umgesetzt werden.
Der Multigripper hat ein spezielles und äußerst flexibel anpassbares Saugersystem, dessen einzelne Sauggreifer an Stößeln mit innen liegender Feder aufgenommen werden und einen Hub von jeweils bis 50 mm erlauben. Folglich können die Kartons erhebliche Wölbungen aufweisen und sie werden trotz dieser enormen Deformation noch sicher gegriffen und gefördert. Die große Anzahl der Sauger sorgt überdies für eine geringere Deformierung, so dass die Verpackungen bei der Auslieferung auch keine sofort sichtbaren Gebrauchs- und Handhabungsspuren aufweisen. Die Firma J. Schmalz GmbH konnte dem Kunden HERMA eine kostengünstige Komplettlösung für die horizontale Handhabung von Kartons bieten, die trotz des Sonderfalles weitgehend auf standardisierten Komponenten beruht.
Der Jumbo-Multigripper ist mittlerweile Bestandteil des Sauggreifer-Lieferprogramms und kann für verschiedene Anwendungen entsprechend ausgelegt werden. Sein Gewicht beträgt rund 6 kg, bei im Vergleich kompakten Abmessungen von 350 x 280 x 190 mm (L x B x H). Im beschriebenem Anwendungsfall sind 20 einzelne Sauger des Typs FSG 62 eingebaut. Je nach Bedarf und erforderlicher Traglast kann die Art und Anzahl der Sauger variieren. In jeder Hinsicht sind bei solch speziellen Anwendungen Saugversuche erforderlich, um alle Eventualitäten beim Handling labiler und instabiler Güter berücksichtigen und die notwendige Sicherheit gewährleisten zu können.